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Vom Berg ins Glas - so reist das Wiener Wasser

Vom Berg ins Glas - so reist das Wiener Wasser

Woher das Wiener Leitungswasser wirklich kommt

Du drehst in Wien den Wasserhahn auf und wenige Sekunden später steht ein Glas frisches Trinkwasser vor dir. Was man dabei kaum merkt, ist die erstaunliche Reise, die ein Teil dieses Wassers bereits hinter sich hat. Das Wiener Wasser kommt überwiegend aus Quellen in den niederösterreichischen und steirischen Alpen. Je nach Herkunft legt es dabei bis zu 180 Kilometer zurück. Und das vielleicht Überraschendste daran ist, dass es für den Weg aus den Bergen nach Wien praktisch keine Pumpen braucht.

Das funktioniert seit mehr als 150 Jahren und gehört zu den spannendsten technischen Systemen der Stadt.

Warum Wien sein Wasser aus den Alpen holte

Mitte des 19. Jahrhunderts war sauberes Trinkwasser in Wien alles andere als selbstverständlich. Die Versorgung erfolgte lange über Brunnen und kleinere Wasserleitungen. Mit der wachsenden Bevölkerung verschärften sich jedoch die Probleme. Verunreinigtes Wasser trug unter anderem zur Ausbreitung von Cholera und Typhus bei.

1864 beschloss der Wiener Gemeinderat deshalb den Bau der ersten Wiener Hochquellenleitung. Eine zentrale Rolle spielte dabei der Geologe und Politiker Eduard Suess. Zwischen 1869 und 1873 entstanden die Leitung, mehrere Wasserbehälter und große Teile des notwendigen Verteilungsnetzes. Am 24. Oktober 1873 wurde die erste Hochquellenleitung feierlich eröffnet. Gleichzeitig ging der Hochstrahlbrunnen am Schwarzenbergplatz in Betrieb.

Doch Wien wuchs weiter. Um genügend Wasser für die zunehmende Bevölkerung bereitzustellen, wurde zwischen 1900 und 1910 eine zweite Hochquellenleitung errichtet. Sie wurde am 2. Dezember 1910 eröffnet. Damit entstand ein Versorgungssystem, das bis heute das Rückgrat der Wiener Trinkwasserversorgung bildet.

Vom Berg bis zum Wiener Wasserhahn

Das Wasser der ersten Hochquellenleitung stammt aus dem Gebiet von Schneeberg, Rax und Schneealpe. Von der am weitesten entfernten Quelle bis nach Wien sind es rund 150 Kilometer. Das Wasser benötigt ungefähr 24 Stunden bis zum Wasserbehälter Rosenhügel. Die Leitung kann täglich rund 220 Millionen Liter Wasser liefern.

Noch länger ist die zweite Hochquellenleitung. Sie bringt Wasser aus dem Hochschwabgebiet über rund 180 Kilometer nach Wien und kann täglich bis zu 217 Millionen Liter transportieren. Für diese Strecke benötigt das Wasser ungefähr 36 Stunden. Auf seinem Weg passiert es zahlreiche Tunnel, Kanäle und Aquädukte.

Ein Glas Wasser, das du in Wien trinkst, kann also eine Reise hinter sich haben, die länger ist als so mancher Tagesausflug.

In Wien angekommen, wird das Wasser in großen Wasserbehältern gespeichert. Insgesamt gibt es 29 Behälter innerhalb Wiens und zwei weitere außerhalb der Stadt. Gemeinsam können sie rund 1,6 Milliarden Liter Wasser aufnehmen. Das entspricht ungefähr dem durchschnittlichen Wiener Wasserverbrauch von vier Tagen. Danach beginnt der letzte Teil der Reise. Mehr als 3.000 Kilometer öffentliche Wasserrohre verteilen das Trinkwasser durch die Stadt bis in Häuser und Wohnungen.

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Wie das Wasser fast ohne Pumpen nach Wien kommt

Dass Wasser über mehr als hundert Kilometer transportiert wird, klingt zunächst nach einem enormen Energieaufwand. Beim Wiener Hochquellwasser ist es jedoch genau andersherum.

Die Quellen liegen deutlich höher als Wien. Die Hochquellenleitungen wurden so angelegt, dass das Wasser durch das natürliche Gefälle in Richtung Stadt fließen kann. Die Schwerkraft übernimmt damit einen Großteil der Arbeit. Für den Transport des Hochquellwassers aus den Alpen nach Wien werden keine Pumpen benötigt.

Auch innerhalb Wiens spielt die Höhenlage eine wichtige Rolle. Große Wasserbehälter befinden sich oberhalb der Gebiete, die sie versorgen. Der dadurch entstehende Wasserdruck sorgt dafür, dass das Wasser in vielen Teilen der Stadt ohne zusätzliche Pumpen bis in die Gebäude gelangt.

Das System hat noch einen weiteren Vorteil. Weil die Wasserversorgung großteils durch natürliche Schwerkraft funktioniert, bleibt sie auch bei einem größeren Stromausfall für den Großteil der Wiener Haushalte erhalten.

Eine Infrastruktur, deren Grundprinzip im 19. Jahrhundert geplant wurde, besitzt damit einen Vorteil, der heute wieder erstaunlich modern wirkt.

Was Wiener Leitungswasser so besonders macht

Entscheidend ist nicht nur der Transport des Wassers, sondern auch der Schutz seiner Herkunft. Die Quellgebiete der beiden Hochquellenleitungen umfassen zusammen rund 675 Quadratkilometer. Damit sind sie sogar größer als Wien selbst. In diesen Gebieten gelten besondere Schutzbestimmungen, damit möglichst wenig Schadstoffe in das Wasser gelangen.

Das Wasser sickert durch Boden und Gesteinsschichten und tritt später als Quellwasser wieder aus. Diese natürlichen Bedingungen tragen wesentlich zu seiner Qualität bei. Das Hochquellwasser besitzt einen vergleichsweise niedrigen Gehalt an Calcium und Magnesium und damit eine geringe bis mäßige Wasserhärte.

Ganz ausschließlich von den Hochquellen abhängig ist Wien dennoch nicht. Zur Wasserversorgung gehören auch Grundwasserbrunnen in Wien und Niederösterreich. Sie dienen vor allem dazu, die Versorgung zusätzlich abzusichern.

Heute wirkt all das selbstverständlich. Man dreht den Hahn auf und das Wasser ist da. Dahinter steckt jedoch ein riesiges System aus geschützten Alpenregionen, kilometerlangen Leitungen, Aquädukten, Wasserbehältern und mehr als 3.000 Kilometern Rohrnetz.

Beim nächsten Glas Wiener Leitungswasser lohnt sich deshalb vielleicht ein kurzer Gedanke daran, wo diese Reise begonnen hat. Sehr wahrscheinlich deutlich weiter entfernt, als man beim Blick auf den eigenen Wasserhahn vermuten würde.

Quellen Stadt Wien, Wiener Wasser MA 31 sowie offizielle Informationen zu den Wiener Hochquellenleitungen, Wasserbehältern und dem Rohrnetz. Stand September 2026.

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