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Die gruseligsten Orte unter Wien

Die gruseligsten Orte unter Wien

Halloween in der Stadt unter der Stadt

Für Gänsehaut braucht man in Wien keine Kürbisse aus Plastik. Die Stadt hat genug echte Schauergeschichten, und die meisten von ihnen spielen unter der Erde. In Brunnen, Gruben, Grüften und Kellern lauern Fabelwesen, Pesttote und Mumien, manche davon nur in der Sage, manche ganz real.

Hier sind fünf Orte der Wiener Unterwelt, an denen es einem auch ohne Kostüm kalt den Rücken hinunterläuft.

Der Basilisk im Brunnen

Im Juni 1212 bemerkte die Magd eines Bäckers in der heutigen Schönlaterngasse etwas Seltsames. Aus dem Hausbrunnen stieg ein furchtbarer Gestank auf, und tief unten glitzerte etwas. Ein mutiger Lehrbub ließ sich hinab und kam bleich vor Angst wieder herauf. Er hatte ein Wesen gesehen, halb Hahn, halb Kröte, mit Schuppenschweif, einem Krönchen auf dem Kopf und glühenden Augen.

Ein Gelehrter erkannte darin einen Basilisken, dessen giftiger Blick und Atem jeden töten konnten. Sein Rat war ebenso einfach wie gewagt. Man solle dem Untier einen Spiegel vorhalten. Als der Basilisk sein eigenes Spiegelbild sah, zerplatzte er vor Wut, und der Brunnen wurde mit Steinen und Erde zugeschüttet.

An der Fassade des Hauses Schönlaterngasse 7 erinnert bis heute eine steinerne Figur des Basilisken an die Geschichte. Eine ganz nüchterne Erklärung lieferte später der Geologe Eduard Suess. Er vermutete hinter der Sage giftige Erdgase, die aus dem Brunnen aufstiegen.

Der liebe Augustin in der Pestgrube

Im Jahr 1679 wütete in Wien die Pest. Die Toten wurden auf Karren durch die Stadt gefahren und in offene Gruben geworfen. Einer der bekanntesten Wiener jener Zeit war ein Bänkelsänger und Dudelsackspieler namens Augustin, ein Mann, der gerne trank und mit seinen Liedern die Leute in den Wirtshäusern unterhielt.

Der Legende nach schlief Augustin eines Nachts betrunken auf der Straße ein. Die Totengräber hielten ihn für ein Opfer der Pest und warfen ihn in eine Pestgrube bei der Ulrichskirche. Als er am Morgen zwischen den Leichen erwachte, begann er zu spielen und zu singen, bis man ihn hörte und herauszog. Die Pest bekam er trotzdem nicht.

Ganz erfunden ist die Figur nicht. Augustin hat wirklich gelebt, er wurde um 1645 geboren und starb 1685, sechs Jahre nach der großen Pest, auf der Straße. Sein Familienname ist nicht überliefert. Das berühmte Lied „Oh du lieber Augustin“ kam übrigens erst um 1800 nach Wien, über hundert Jahre nach seinem Tod.

Zur Gruftführung Michaelerkirche

Die Mumien der Michaelergruft

Gleich gegenüber der Hofburg, unter der Michaelerkirche, liegt einer der unheimlichsten Orte der Stadt. Ab etwa 1560 wurden hier Tote bestattet, insgesamt rund 4.000 Menschen, bis 1784 alle Grüfte geschlossen wurden. Als man die Gruft 1923 neu ordnete, lagen die Särge teilweise vier bis fünf Schichten übereinander.

Das eigentlich Gespenstische aber ist, was mit manchen Toten geschah. Durch einen ständigen Luftzug und weil die Leichen auf Hobelspänen gebettet waren, trockneten sie aus, statt zu verwesen. So entstanden Mumien, von denen bis heute über 20 erhalten sind, manche noch in ihrer barocken Kleidung. Manche von ihnen liegen seit über 250 Jahren dort unten, als wäre die Zeit stehen geblieben.

Gebeine unter dem Stephansdom

Nur ein paar Gassen weiter liegt die größte Totenstadt Wiens. In den Katakomben unter dem Stephansdom wurden zwischen 1745 und 1783 fast 11.000 Menschen bestattet. Waren die Grabkammern voll, wurden sie zugemauert, und angeblich drang der Verwesungsgeruch zeitweise bis in den Dom hinauf. Später stapelten Mönche und Sträflinge die Knochen ordentlich bis unter die Decke, so wie man sie heute noch sieht. Dazu ruhen hier in kupfernen Urnen die Eingeweide von 56 Habsburgern.

Zu den Katakomben Stephansdom

Das Nonnenloch in der Singerstraße

Weniger bekannt ist ein Keller in der Singerstraße, unter der Apotheke Zum goldenen Reichsapfel. Das Haus steht auf den Mauern eines alten Klosters, und sein Keller reicht zwei Stockwerke tief. In einem der Ziegelgewölbe klafft ein dunkles Loch in der Decke, das man das Nonnenloch nennt und um das sich Sagen ranken. Ganz geheuer ist der Ort nicht, denn im Keller fand man sogar einen menschlichen Wirbelknochen.

Selbst hinabsteigen, wenn du dich traust

Das Unheimlichste an der Wiener Unterwelt ist vielleicht, dass sie so nah ist. Unter den Gassen der Innenstadt liegen hunderte alte Keller, manche mehrere Stockwerke tief, viele davon verlassen und vergessen. Hier ist es still, kühl und dunkel, und jedes Geräusch klingt plötzlich lauter.

Bei der Wiener Unterwelt Tour steigst du genau in solche Keller hinab, entdeckst Lost Places und ehemalige Luftschutzräume, die sonst verschlossen sind. Nimm eine Taschenlampe mit und halte dich an die Gruppe. Man weiß ja nie, was dort unten noch wartet.

Quellen Wien Geschichte Wiki, Basiliskenhaus · Sagen.at, Der Basilisk in der Schönlaterngasse · Wien Geschichte Wiki, Augustin N. · Wien Geschichte Wiki, Michaelergruft · Friedhof und Denkmal, Die Michaelergruft in Wien · Wien Geschichte Wiki, Katakomben (St. Stephan) · Wikipedia, Herzogsgruft · Apotheke zum goldenen Reichsapfel, Geschichten

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