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Die Katakomben unter dem Stephansdom

Die Katakomben unter dem Stephansdom

Eine Stadt der Toten unter dem Stephansplatz

Wer über den Stephansplatz schlendert, ahnt meist nicht, was unter seinen Füßen liegt. Unter dem Dom erstreckt sich ein Labyrinth aus Grüften und Grabkammern, in dem mehr als 10.000 Menschen bestattet wurden. Dazu kommen die Särge früher Habsburger und Urnen mit den Eingeweiden von Kaisern und Erzherzögen.

Die Wiener nennen dieses Reich der Toten die Katakomben. Der Name ist eigentlich geborgt, denn mit den Katakomben Roms haben sie wenig gemein. Ihre Geschichte ist dafür nicht weniger schaurig, und sie erzählt viel über das Leben und Sterben im alten Wien.

Zu den Katakomben Stephansdom

Wie die Katakomben entstanden

Am Anfang stand ein Herzog. Rudolf IV., der Stifter, ließ um 1363 unter dem Chor des Doms eine Gruft für seine Familie anlegen. Diese Herzogsgruft war ursprünglich ein einziger gewölbter Raum, erreichbar über 24 Stufen. Maria Theresia ließ sie 1754/55 um einen ovalen Raum erweitern.

Rund um den Dom lag damals der Stephansfriedhof, der wichtigste Friedhof der Stadt. Schon 1486 diente ein Keller als Karner, also als Gebeinhaus für die Knochen aus aufgelassenen Gräbern. Als Kaiser Karl VI. den Friedhof 1732 schließen ließ, brauchte man neuen Platz für die Toten. Ab 1745 entstanden deshalb unter dem Dom und dem Stephansplatz zahlreiche neue Grufträume, die bis 1779 fertiggestellt wurden.

So wuchs ein unterirdischer Friedhof auf zwei Stockwerken heran. Zwischen 1745 und 1783 wurden dort 10.893 Menschen bestattet.

Pest, Gebeine und kaiserliche Eingeweide

Die Pest hat Wien mehrmals heimgesucht. Die Epidemie von 1679 gilt als die schwerste der frühen Neuzeit, an sie erinnert bis heute die Pestsäule am Graben. Nach der Seuche von 1713 ließ Karl VI. aus Dankbarkeit die Karlskirche errichten. Die Toten dieser Jahre verschwanden in Massengräbern, und die Erinnerung an sie lebt in den Geschichten über die Katakomben weiter.

In einer der Kammern zeigt man heute eine sogenannte Pestgrube. Sie besteht aus einer runden Öffnung, gerade groß genug für einen menschlichen Körper, und darunter liegt ein Hohlraum voller Knochen. Ob hier wirklich Pesttote hinabgelassen wurden, ist allerdings nicht belegt.

Gut dokumentiert ist dagegen, wie es in den Grabkammern zuging. War eine Kammer voll, wurde sie zugemauert und die nächste geöffnet. Angeblich drang der Verwesungsgeruch zeitweise so stark in den Dom, dass er geschlossen werden musste. Ende 1783 verbot ein Hofdekret Bestattungen in Kirchen, 1784 wurden die Grüfte geschlossen. Anfang des 19. Jahrhunderts schickte man Mönche und Sträflinge hinab, um die durcheinanderliegenden Gebeine zu ordnen. Sie stapelten Schädel und Knochen bis unter die Decke, so wie man sie heute noch sieht.

Ein ganz eigenes Kapitel sind die Habsburger. Zwischen 1654 und 1878 wurden in der Herzogsgruft Urnen mit den Eingeweiden oder Herzen von 56 Familienmitgliedern beigesetzt, in Seide gehüllt und in Kupfergefäßen mit Alkohol eingelegt. Bei vielen Habsburgern wurde der Leichnam dreigeteilt. Der Körper kam in die Kaisergruft, das Herz in die Augustinerkirche und die Eingeweide in den Stephansdom.

Mythen und was wirklich dahintersteckt

Kaum ein Ort in Wien hat so viele Geschichten angezogen wie die Katakomben. Manche stimmen, manche sind kräftig ausgeschmückt.

„Hier liegen tausende Pesttote.“ Diese Geschichte hört man oft, manche Quellen sprechen sogar von über 11.000 Opfern der Pest von 1713. Die gut belegten 10.893 Bestattungen stammen aber aus den Jahren 1745 bis 1783, also aus der Zeit nach den großen Seuchen. Hier wurden ganz gewöhnliche Wienerinnen und Wiener begraben.

„Die Katakomben sind so alt wie die in Rom.“ Auch das stimmt nicht. Die Herzogsgruft stammt aus dem 14. Jahrhundert, der Großteil der Anlage aus dem 18. Jahrhundert. Den Namen Katakomben bekamen die Grüfte erst im 19. Jahrhundert.

„Unter der ganzen Innenstadt verlaufen Geheimgänge.“ Belegt ist ein weitläufiges Netz aus Grüften unter dem Dom und dem Stephansplatz. Dass von dort Gänge quer durch die Stadt führen, gehört ins Reich der Legenden. Die Wiener Innenstadt ist zwar tief unterkellert, aber die Keller gehören zu den einzelnen Häusern.

„Grusel als Touristenattraktion ist eine moderne Idee.“ Falsch. Schon zur Weltausstellung 1873 stiegen zahlreiche Besucher hinab, um die Gebeine zu sehen. Im selben Jahr stieg allerdings das Grundwasser, und viele Überreste mussten in vermauerte Gewölbe gebracht oder vergraben werden.

„Die Katakomben sind Geschichte.“ Nicht ganz. 1951 wurde unter dem Südchor eine neue Bischofsgruft angelegt, 1957 eine Gruft für die Domherren. Die Erzbischöfe von Wien werden bis heute unter dem Dom beigesetzt.

Vom Keller bis zum Dachboden

Heute sind die Katakomben ein stiller Ort. Zwischen den Grabkammern, den gestapelten Gebeinen und den Kupferurnen der Habsburger spürt man, wie nah Leben und Tod im alten Wien beieinanderlagen. Wer einmal durch die Gänge gegangen ist, sieht den Stephansplatz danach mit anderen Augen.

Zu den Katakomben Stephansdom gehts hier lang! Erfahre mehr über die Katakomben und versteckten Tunnel, höre die alten Geschichten und Mythen des Doms und gehe danach hinauf auf den Dachboden, wo dich ein Rundblick über ganz Wien erwartet. So erlebst du den Dom einmal von ganz unten bis ganz oben.

Quellen Wien Geschichte Wiki, Katakomben (St. Stephan) · Wien Geschichte Wiki, Katakomben · Wien Geschichte Wiki, Pest · Wikipedia, Herzogsgruft · Planet Vienna, Die Wiener Katakomben · Travelbook, Die Geheimnisse der Katakomben · Stadtbekannt, Wiens Katakomben

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